Der EU-Kommissar für Verteidigung warnt: Der Westen gefährdet sich durch fünf schwerwiegende Fehler im Umgang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine

Chas Pravdy - 09 Mai 2025 12:44

Auf dem Sicherheitsforum in Kiew am 8. Mai hielt der EU-Kommissar für Verteidigung, Andrius Kubilius, eine tiefgehende Analyse und Warnungen bezüglich strategischer Fehler, die die westlichen Länder weiterhin in ihrer Politik gegenüber dem russisch-ukrainischen Konflikt vermeiden könnten. Vor Experten aus dem Publikum zeichnete der Politiker anhand von Beispielen des Zweiten Weltkriegs fünf globale Fehler nach, die eine Verschärfung der Situation und verschlechterte Perspektiven für die Ukraine und ihre Verbündeten drohen. Der Erste und wichtigste Fehler ist die unzureichende Unterstützung für die Ukraine, betonte Kubilius. Laut ihm stellen die EU und die USA in den letzten drei Jahren jährlich etwa 40 Milliarden Euro für die Unterstützung Kiews bereit. Das ist sicherlich eine beträchtliche Summe, aber im Verhältnis zum BIP ist ihr Anteil viel zu gering – weniger als 0,1 %. Im Vergleich zu den Ausgaben der Länder für ihre Verteidigung sind diese Summen utopisch klein. Der EU-Kommissar unterstrich, dass die Ukraine, die für ihre Unabhängigkeit und territoriale Integrität kämpft, gleichzeitig die Sicherheit und Interessen des Westens verteidigt, denn gerade sie bremst die Ausbreitung der Aggression und hält den russischen Gegner davon ab, seinen Einfluss auszudehnen. Der zweite Fehler besteht im Missverständnis oder in der Missachtung der Unterscheidung zwischen Aggressor und Opfer im Krieg. Kubilius betonte, dass die sogenannte „Unklarheit“ bei der Definition der Rollen der Konfliktparteien das Problem verschärfen und die Unterstützung für die Ukraine schwächen könnte. Man darf Putin nicht als gleichberechtigten Gesprächspartner oder potenziellen Verbündeten in einem zukünftigen Konflikt betrachten, unabhängig von den Bestrebungen und Zielen des russischen Regimes, die heute seine aggressiven Absichten demonstrieren. Der dritte Fehler ist die Hoffnung auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland nach einer kurzen Ruhephase oder einer „Weltpause“ im Konflikt. Der EU-Kommissar stellte klar: NATO und andere westliche Strukturen betrachten Russland als die größte Bedrohung für die Sicherheit in Europa. Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass die Bemühungen, mit dem Aggressor „Freundschaft“ zu schließen, der offen Widerstand leistet und imperialistische Ambitionen zeigt, ein strategischer Fehler sind. Er deutete an, dass eine derartige Politik des „guten Nachbarn“ nur Putins zu neuen Akten der Aggression ermutigen und das Vertrauen zwischen den Verbündeten untergraben wird. Der vierte Fehler ist historischer Natur. Kubilius weist darauf hin, dass die Lehren der Geschichte sehr wichtig sind. Die Anerkennung der Annexion der Krim im Jahr 2014 ohne Gegenmaßnahmen war ein Rückschritt in der Diplomatie und Sicherheit. Er erinnerte daran, dass gerade die Verräterstellung der Tschechoslowakei im Jahr 1938 die groß angelegte Aggression Deutschlands unter Hitler auslöste. Vergleicht man dieses historische Ereignis mit der aktuellen Situation, warnt der Politiker davor, dass Forderungen an die Ukraine, Teile ihres Territoriums unter Druck des Aggressors aufzugeben, eine tragische Wiederholung der Fehler sind, die damals den Frieden Europas kosteten. Der fünfte – und vielleicht sensibelste – Fehler betrifft den möglichen NATO-Beitritt der Ukraine. Kubilius betonte, dass eine Ablehnung in dieser Angelegenheit nicht nur die Perspektiven der Ukraine beschädigen, sondern die Sicherheitslage insgesamt erschweren könnte. Russland besteht darauf, dass Kiew kein Mitglied dieser Organisation wird, nicht aus Angst vor einem Angriff, sondern um eine persönliche Absicherung vor einer möglichen erneuten russischen Aggression zu vermeiden. Dieser Ansatz sei ein riskantes Spiel mit dem Feuer, so der europäische Verteidigungsexperte. Das Verweigern eines NATO-Beitritts für die Ukraine würde den Eskalationsrisiko nur erhöhen und die NATO bei der Vorbereitung auf unterschiedliche Szenarien erschweren. Parallel zu diesen Aussagen veröffentlichten am 8. Mai die Außenminister der baltischen Staaten, Polens, Tschechiens, Moldawiens und der Ukraine gemeinsam eine Kolumne, in der sie die Lehren des Zweiten Weltkriegs analysierten und wichtige Warnungen an die Welt hinsichtlich möglicher Szenarien für das Kriegsende bei. Sie warnten vor Szenarien, die zu einer noch größeren Destabilisierung in der Region und weltweit führen könnten. Nicht minder bedeutend ist die Warnung des britischen Premierministers Keir Starmer, der an diesem Tag betonte, dass der russische Überfall auf die Ukraine die völlige Aktualität der Lehren des Zweiten Weltkriegs hervorgehoben hat. Laut ihm zeigt die Geschichte: Der Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit ist 1945 nicht zu Ende gegangen, und diese Werte müssen heute bewahrt und verteidigt werden. Zusammenfassend sind die Worte von Kubilius und die gemeinsamen Erklärungen der westlichen Führung eine Warnung vor einer vorsichtigeren und strategischeren Politik. Es ist wichtig, diese Lehren zu berücksichtigen, um historische Fehler zu vermeiden und weiteren Schaden für die Ukraine sowie für die Sicherheit der ganzen demokratischen Welt vorzubeugen. Denn, wie betont wird, ist der Krieg nicht nur an der Front, sondern auch ein Feld der Diplomatie, des Gedächtnisses und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.

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