In den Niederlanden wird vor einer möglichen ernsthaften Bedrohung gewarnt, die für die Sicherheit der Europäischen Union durch die zunehmende Aktivität Chinas auf der Weltbühne darstellt

Chas Pravdy - 08 Mai 2025 14:38

Der Direktor des niederländischen Militärgeheimdienstes (MIVD), Vizeadmiral Peter Rösink, betonte in seinem jüngsten Interview mit Politico, dass die offiziellen europäischen Strukturen potenzielle Herausforderungen aus Peking ernster nehmen sollten, da diese Risiken weiterhin verborgen bleiben und bislang unterschätzt wurden. Die Aussage Rösinks erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Spannungen und einer verschärften globalen Sicherheitslage, während die Aufmerksamkeit des gesamten Kontinents auf Russlands Aggression und den anhaltenden Krieg in der Ukraine gerichtet ist. Die Frage nach einer potenziellen Bedrohung durch China verliert jedoch ihre Aktualität nicht. Laut dem Leiter des niederländischen Geheimdienstes verfügt die Volksrepublik China über äußerst komplexe und gut organisierte Cyber-Systeme, die zu groß angelegten Cyberangriffen und Desinformationskampagnen fähig sind und somit eine erhebliche Gefahr für die Länder Europas darstellen. „Ich würde sagen, dass diese Bedrohung das Sicherheitsniveau übertrifft, das von Russland ausgeht“, erklärte er in einem Gespräch mit Journalisten. In seinem jährlichen Bericht, der Ende des letzten Monats veröffentlicht wurde, betonte das MIVD die Vertiefung der militärischen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Russland und China sowie die zunehmenden Risiken, die sich aus ihrer Zusammenarbeit für die Stabilität der europäischen Region ergeben. Besondere Aufmerksamkeit in den Standardmeldungen gilt der Tatsache, dass Russland hybride Operationen gegen die Bürger und Infrastrukturen der Niederlande und weiterer EU-Länder intensiviert. Berichte deuten darauf hin, dass der Kreml Maßnahmen fördert, die auf Destabilisierung der Gesellschaft, Untergrabung des Vertrauens in Institutionen und Vorbereitung auf potenzielle politische oder institutionelle Veränderungen abzielen. „Wir beobachten bereits Anzeichen ähnlicher Aktivitäten in Europa, auch wenn das Ausmaß dieser Maßnahmen im Vergleich zu den USA deutlich geringer ist“, sagte Rösink. „Aber beachten Sie, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist: Tatsächlich handelt es sich nur um einen kleinen Teil des komplexen chinesischen Cyber-Netzwerks, das auf etwa zehn europäische Länder gerichtet ist.“ Der Geheimdienst teilte außerdem mit, dass Russland im Juni letzten Jahres versucht hat, in den demokratischen Prozess einzumischen, indem es Cyberangriffe auf Websites von Parteien und das öffentliche Verkehrssystem durchführte, um den Wahlprozess im Land zu erschweren. Laut Rösink sind solche hybriden Kriegshandlungen kein neues Phänomen und längst eine sogenannte Tradition der russischen Außenpolitik. „Wir haben Informationen über russische Eingriffe in Wahlprozesse, nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in vielen anderen Ländern, die früher unter russischem Einfluss standen“, betonte der oberste Geheimdienstler. „Es handelt sich nicht nur um Desinformation, sondern auch um Cyberangriffe, und manchmal um komplexere Operationen, die darauf abzielen, die Stabilität der Zivilgesellschaft zu untergraben.“ Der Hauptfokus der Warnungen liegt nun auf dem möglichen Ausbau der militärischen Stärke Russlands, was nach Einschätzung der europäischen Geheimdienste insbesondere in der Perspektive zukünftiger Konflikte äußerst gefährlich ist. Rösink hob hervor, dass das aggressivere Land enorme Mengen an Artillerie und militärischen Mitteln produziert – nicht nur zur Unterstützung der eigenen Kriegführung gegen die Ukraine, sondern auch für mögliche weitere aggressive Aktionen in der Region. Zudem verlegt Moskau neue Artillerieeinheiten an seine Grenzen zu NATO-Ländern, insbesondere in die Baltenländer und nach Finnland, was bei europäischen Militäranalysten und Diplomaten Besorgnis hervorruft. Besonders betonte Rösink die dauerhafte enge Zusammenarbeit der westlichen Geheimdienste – Europas und der USA –, die in Zeiten globaler Herausforderungen stark und vorteilhaft bleibt. Seiner Meinung nach ist die gemeinsame Arbeit der Nachrichtendienste ein wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen nicht nur die russische Aggression, sondern auch gegen Bedrohungen aus Asien, insbesondere seitens Chinas, das bestrebt ist, seine geopolitische Präsenz weltweit zu verstärken und seine informations- und cybertechnologische Macht auszubauen. Aufgrund dieser Erkenntnisse fordern die Niederlande, dass Europa wachsam bleibt und die Aufmerksamkeit für potenzielle Bedrohungen aus dem Osten und den östlich verbündeten Regionen nicht nachlässt. Denn erneut wird die Notwendigkeit betont, die Zusammenarbeit der Geheimdienste und den politischen Dialog zu verstärken, um mögliche Destabilisierungs-Szenarien zu verhindern und die eigenen Interessen in Zukunft zu schützen.

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