Die Europäische Union hat eine Absicht bekannt gegeben, sich bis Ende 2027 vollständig von russischen Energieressourcen zu lösen, was einen weiteren Schritt in Richtung energetischer Unabhängigkeit und Sicherheit darstellt
Der ambitionierte Plan sieht nicht nur das vollständige Ende der Einfuhr von russischem Gas vor, sondern auch eine signifikante Reduzierung der russischen Ölimporte, die Bekämpfung illegaler Transporte russischer „Schattenflotten“ sowie die Verringerung der Abhängigkeit von russischen Ressourcen im Nuklearbereich, insbesondere durch Einschränkungen bei der Uranlieferung. Dieses strategische Dokument, bekannt als Roadmap zum REPowerEU-Plan, wurde am 6. Mai in Straßburg vom EU-Energiekommissar Den Jørgensen veröffentlicht. In seiner Rede betonte er, dass das Hauptziel darin bestehe, innerhalb von drei Jahren vollständig auf russische Energieressourcen, insbesondere Gas, zu verzichten. „Derzeit hat die EU einen klaren Weg zur Energiefreiheit festgelegt – bis Ende 2027 den Import russischen Gases einzustellen“, erklärte Jørgensen, und fügte hinzu, dass die Europäische Kommission bereits im Juni 2025 Gesetzesvorschläge für die Umsetzung dieses Plans vorlegen wird. Laut Angaben des europäischen Beamten soll bis Ende 2025 jedes EU-Mitgliedsland seine nationalen Pläne zur schrittweisen Abkehr von russischen Energieresourcen – nicht nur Gas, sondern auch Öl und Kernenergie – vorbereiten. Dies bedeutet, dass alle Akteure ihre Anstrengungen zur Diversifizierung der Versorgung und zur Suche nach alternativen Energieträgern verstärken sollen. Laut einem im Besitz der „European Truth“ befindlichen Dokument importierte die Europäische Union im Jahr 2024 etwa 52 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland – davon 32 Milliarden Kubikmeter durch Pipelines und über 20 Milliarden Kubikmeter verflüssigtes Erdgas (LNG). Das entspricht fast 19 % des gesamten Gasimports der EU. Außerdem kauften im vergangenen Jahr Polen, Italien, Frankreich, Deutschland und einige andere Länder weiterhin russisches Rohöl – insgesamt etwa 13 Millionen Tonnen sowie über 2800 Tonnen Uran in angereichertem oder Brennstoffform. Es ist wichtig zu beachten, dass zehn von 27 EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2024 weiterhin russisches Gas importieren, während nur drei Länder den russischen Ölimport fortsetzen, und sieben Länder Uran oder damit verbundene Dienstleistungen beziehen. Dies zeigt den verbleibenden Abhängigkeitsgrad in einzelnen Regionen der EU, doch ein allmählicher Rückgang ist bereits in den strategischen Plänen vorgesehen. Was konkrete Maßnahmen betrifft, so sieht die Roadmap vor, dass keine neuen Verträge mit russischen Gaslieferanten – sowohl Pipeline- als auch LNG-Lieferanten – abgeschlossen werden. Bestehende kurzfristige vertragliche Verpflichtungen werden schrittweise bis Ende 2025 beendet, um die verbleibenden Gasimporte aus Russland bis Ende 2024 um ein Drittel zu reduzieren. Insgesamt soll das russische Gas bis Ende 2027 vollständig eingestellt werden. Im Ölbereich ist zwar der Anteil russischer Ölimporte im Jahr 2024 bereits auf etwa 3 % des Gesamtimports gesunken, die EU entwickelt jedoch zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Transporte russischer Öl durch Schattenflotten, die weiterhin illegal importieren. Zudem sind Beschränkungen bei der Lieferung von Uran und angereichertem Uran vorgesehen, die aus Russland stammen, was ein wichtiger Aspekt für die europäischen Kernanlagen ist. Dazu gehört auch die Initiative „European Radioisotope Valley“, die Mitgliedsländern eine alternative Versorgung mit Radioisotopen für medizinische und industrielle Zwecke sichern soll. Ziel ist es, die europäische Industrie in die Lage zu versetzen, die Produktion solcher Materialien zu steigern, um die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zu reduzieren. Experten betonen, dass die Europäische Kommission im Rahmen dieses Plans bereits die Möglichkeit prüft, ein gesetzliches Verbot für den Abschluss neuer Verträge europäischer Unternehmen für den Kauf russischen Fossilenergieträger zu erlassen. Dies ist logisch, da die Energiepolitik reformiert wird, um die russische Einflussnahme auf europäische Energieressourcen zu verringern und gleichzeitig die eigene Energiesicherheit zu stärken. Im Zuge des Fortschritts in diesem Bereich läuft bereits die Suche nach alternativen Lösungen, darunter die verstärkte Entwicklung erneuerbarer Energien, Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau neuer Infrastrukture Projekte. Nur so kann Europa unabhängig und sicher operieren, Energieschocks vermeiden und den Bürgern eine stabile und saubere Ressourcenbalance garantieren. Mehr über die konkreten Erfahrungen und Lehren Polens sowie einiger anderer Länder, die bereits erfolgreich auf russisches Gas verzichtet haben, lesen Sie in dem speziellen Artikel „Kurs auf energetische Unabhängigkeit: Wie Polen auf russisches Gas verzichtete“, der dieses Thema tiefer und systematischer beleuchtet.